Interview mit Emilie Bourgoin

„Für mich ist Europa mehr als nur ein politischer Zusammenschluss von Staaten“

Europa braucht Helden: Auch beim Einzelhandel ist man sich dessen bewusst. Emilie Bourgoin ist gebürtige Französin und arbeitet für die REWE Group in Deutschland. Als Privatperson und als Leiterin Public Affairs kann sie von den Vorzügen der Europäischen Union aus unterschiedlichen Blickwinkeln berichten. Dabei ist ihr die Vielfalt, die durch verschiedene Kulturen und Hintergründe in der EU entsteht, besonders wichtig. Schließlich bereichere sie nicht nur das private Leben, sondern auch das Unternehmen. Aus Unternehmenssicht dürfte man außerdem nicht vergessen, dass der supranationale Handel ohne die Freiheiten der EU unmöglich sei.

Als gebürtige Französin, die für ein deutliches Unternehmen arbeitet – wie würden Sie ihr Verhältnis zu Europa und der Europäischen Union beschreiben. Inwieweit unterscheidet sich Ihre Perspektive von der Ihrer Kolleginnen und Kollegen? 

Für mich ist Europa mehr als nur ein politischer Zusammenschluss von Staaten – die europäische Idee ist tief in mir verwurzelt. Durch das Austauschprogramm Erasmus bin ich überhaupt erst nach Deutschland gekommen – und nun lebe ich schon 18 Jahre hier. Mein Großvater war Spanier, meine Großmutter Italienerin, meine Kinder sind Deutsch und mein Mann Türke. Das Europamotto „In varietate concordia“ (In Vielfalt geeint) entspricht meiner persönlichen Auffassung, dass viele unterschiedliche Kulturen und Hintergründe das Leben bereichern – das gilt auch für die Vielfalt in Unternehmen. 

Für die EU gibt es viele gute Gründe. Welche Aspekte der EU sind Ihnen als Privatperson am wichtigsten? Und von welchen EU-Regelungen profitiert die REWE Group als Einzelhandelsunternehmen am meisten?

Die Grundfreiheiten der EU sind elementare Eigenschaften, ohne die supranationalen Handelsunternehmen wie die REWE Group heute undenkbar wären. Vor allem der freie Warenverkehr ist für uns als europäisches Unternehmen ein Segen. Aber auch die Personenfreiheit erleichtert uns die Arbeit: Bei Mitarbeitern aus über 150 Ländern gelingt vor allem die Integration der EU-Bürger schnell und unbürokratisch. 

Als Privatperson freue ich mich natürlich über die kleinen Annehmlichkeiten wir die Abschaffung der Roaming-Gebühren oder eine einheitliche Währung. Aber all das ist nichts, verglichen mit 70 Jahren Frieden in Europa und der Aussöhnung ehemals verfeindeter Staaten.

In vielen europäischen Ländern ist ein Rechtsruck zu verzeichnen, immer wieder kommen Stimmen auf, die einen Austritt aus der EU fordern. Gleichzeitig sorgt der Brexit weiterhin für Schlagzeilen und besorgte Mienen. Inwiefern sind solche Entwicklungen ein Weckruf für Unternehmen wie die REWE Group, sich politisch zu positionieren? 

In den heutigen Zeiten können wir nicht unpolitisch sein. Wir tragen eine Verantwortung für unsere Mitarbeiter und Kunden. Es ist an uns, klar zu benennen, wo Menschen diskriminiert und europäische Grundrechte missachtet werden. Die REWE Group ist ein pluralistisches Unternehmen und wir sind dankbar für die Freiheiten, die die europäische Integration geschaffen hat, für den Frieden und den Wohlstand, der durch die EU Einzug auf unserem Kontinent gehalten hat. Dazu bekennen wir uns klar, ob im persönlichen Gespräch oder durch zahlreiche Aktionen unseres Unternehmens.

Unsere Kampagne sucht nach Heldinnen und Helden für Europa, die sich aktiv zur EU bekennen. Was tun Sie, um zu dem Gelingen der europäischen Idee beizutragen? Und was müsste aus Ihrer Sicht insgesamt getan werden, um das Potenzial der EU besser ausschöpfen zu können?

Ich glaube, eine bessere Kommunikation ist der Schlüssel. Wir müssen allen Bürgern vermitteln, welche positiven Aspekte das Leben in der EU jeden einzelnen Tag mit sich bringt. Wir sollten weniger über Brüsseler Stereotypen wie die Krümmung von Gurken sprechen, sondern ganz klarmachen, dass die Europäische Idee eine der besten war, die jemals auf diesem Kontinent verwirklicht wurden. Und dabei trägt jeder die Verantwortung, in seinem persönlichen Umfeld Werbung für Europa zu machen.

Vielen Dank für das Interview!

 

 

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